AfD setzt im Wahlkampf auf Image als Anti-Verbotspartei

Die AfD feiert sich dafür, mitten in der dritten Corona-Welle Hunderte Parteimitglieder an einem Ort zu versammeln.

Die AfD feiert sich dafür, mitten in der dritten Corona-Welle Hunderte Parteimitglieder an einem Ort zu versammeln. „Deutschland. Aber normal“ lautet ihr Slogan für die Bundestagswahl

(dpa) – Die rechtsextreme AfD will als Anti-Verbotspartei in den Wahlkampf zur deutschen Bundestagswahl ziehen. Bei ihrem Bundesparteitag mit 600 Delegierten in der Dresdner Messe feierte der Vorsitzende Jörg Meuthen seine Partei am Samstag dafür, dass sie auf diese Art Präsenz dokumentiere. Die AfD wolle „zeigen, dass diese Verbotsorgien, dieses Einsperren, diesen Lockdown-Wahnsinn, dass es all das nicht braucht, wenn man den Menschen vertraut“, sagte Meuthen zur Eröffnung der zweitägigen Veranstaltung mit Blick auf Corona. Dabei will die AfD ihr Programm für die Bundestagswahl am 26. September verabschieden.


Reelected chairman of the Alternative for Germany (AfD) far-right party Joerg Meuthen talks with newly-elected co-chairman Alexander Gauland (L) during the congress of the party on December 3, 2017 in Hanover, northern Germany.
The far-right Alternative for Germany (AfD) elected a new leadership duo from its nationalist wing after the party's triumphant turnout in September's general election, as thousands staged street protests against the anti-immigrant, anti-Islam political force. / AFP PHOTO / Tobias SCHWARZ

Die AfD hofft bei ihrem Parteitag, Kapital aus der Corona-Pandemie schlagen zu können – damit es sie nicht zerreißt.


Die AfD geht mit dem Slogan „Deutschland. Aber normal“ in den Wahlkampf. Diese „Normalität“ sei in den vergangenen 16 Jahren von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den regierenden Parteien zerstört worden, sagte Meuthen, „begleitet von sozialistischen Oppositionsparteien wie den sogenannten Grünen und den Linken, denen diese Zerstörung sogar noch nicht weit und nicht schnell genug geht“. Meuthen zitierte auch den CDU-Slogan des Bundestagswahlkampfes 1976: „Freiheit statt Sozialismus“. Heute stehe die AfD für Freiheit, die Grünen stünden für Sozialismus, sagte Meuthen, der die Partei gemeinsam mit dem sächsischen Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla führt.

Gegen die Politik der AfD protestierten vor der Hallentür zahlreiche Demonstranten.

Anders als auf dem Parteitag im nordrhein-westfälischen Kalkar im vergangenen November ging Meuthen diesmal nicht auf die internen Rivalitäten und Richtungskämpfe in der Partei ein. „Wir müssen bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Die anderen versagen allesamt, es kommt auf uns zu, unweigerlich. Wir müssen es nur richtig machen, unsere überlegenen Lösungen anbieten, aufzeigen, erklären“, sagte er.

Sachsen-Anhalt als Gradmesser

Meuthen wies der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni eine Schlüsselstellung bei den Wahlen dieses Jahres zu. „Wir haben, wenn wir es diesmal richtig angehen, bei dieser Wahl die große Chance, erstmals und sogar mit einigem Abstand zur stärksten politischen Kraft in einem Bundesland zu werden.“ Damit ginge erstmals in der Geschichte der AfD der Auftrag zu einer Regierungsbildung einher. Deshalb brauche man „maximalen Einsatz“ für diesen Landtagswahlkampf.

Weidel zieht sich zurück – vorerst

Vor dem Parteitag hat sich Bundestags-Fraktionschefin Alice Weidel erst einmal aus dem Rennen um die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl verabschiedet. Sie begründete dies am Samstag mit dem Gezerre um das zunächst noch ungeklärte Verfahren zur Nominierung von einem oder zwei Spitzenkandidaten. „Zum einen ist der Bundesparteitag als höchstes Beschlussgremium gefragt, über die Kandidatur zu entscheiden, zum anderen wurde im Vorfeld durch die Mehrheit des Bundesvorstandes eine Mitgliederbefragung initiiert, deren Ergebnis nicht ignoriert werden kann“, erklärte Weidel.


ARCHIV - 14.07.2020, Bayern, Herrenchiemsee: Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nehmen nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts im Neuen Schloss auf der Insel Herrenchiemsee gemeinsam an einer abschließenden Pressekonferenz teil.  (zu dpa: «Schattenkanzler» und Corona-Kämpfer - Wo geht Söders Reise 2021 hin?) Foto: Peter Kneffel/dpa/Pool/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

2021 kommt Deutschland aus dem Wählen nicht heraus – vom CDU-Chef bis zu dem oder der Neuen im Kanzleramt.


Bei einer Mitgliederbefragung hatte die Mehrheit der teilnehmenden AfD-Mitglieder dafür plädiert, die Frage der Spitzenkandidatur nicht vom Bundesparteitag klären zu lassen, sondern später von den Mitgliedern. Auf dem Bundesparteitag am Samstag votierte eine Mehrheit der Delegierten gegen die Wahl eines Spitzenkandidaten oder eine Spitzenteams schon auf dem Parteitag.

Proteste vor der Tür

Am Rande des Parteitages gab es Proteste. Nach Angaben der Polizei hatten sich etwa 100 Menschen an einem Fahrradkorso beteiligt. Später blockierten sie eine Zufahrtsstraße zum Messegelände, so dass viele Teilnehmer des Parteitages einen Umweg nehmen mussten. Der Parteitag begann mit Verspätung. Auch unmittelbar vor der Messehalle protestierten Dutzende Menschen gegen die Politik der AfD.


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